Fleisch

Jeden Tag - 24

Der Kater hat einen viel höheren Fleischkonsum als wir in diesem Haushalt zusammen. Er weiß auch nichts von den Problemen, die mit der Herstellung von Steak und Schnitzel einhergehen. Die Tüten mit dem Nassfutter stehen ihm zu, so seine klare Meinung. Immerhin haben wir ihn ja domestiziert, also müssen wir uns auch um sein Futter kümmern. Frei lebend würde er sich an Mäusen und anderem Kleinzeug satt essen.

Bei uns ist das schon ein wenig anders. Rückblickend betrachtet waren wir in dieser Familie früher so wie alle Menschen auch. Es wurde gegrillt, meist Fleisch, dazu gab es dann zum Ausgleich einen Salat. Irgendwann meinte die heutige Teen, dass sie kein Grillfleisch mehr mag. Dann mochte sie auch keine Wurst mehr. Dann gar kein Fleisch mehr. Nach und nach hat sich das natürlich auch auf uns ausgewirkt. Es gibt schon lange keinen Sonntagsbraten mehr. In der Woche findet Fleisch auf dem Tisch auch nicht mehr statt. Was es noch gibt, ist ein wenig Wurst, Schinken und Salami, für unsere Sandwichs.

Als wir noch regelmäßig einen Braten gemacht hatten, war das selbstverständlich nicht irgendein abgepacktes Stück aus der Kühltruhe eines Discounters. Uns war das Glück mit einem Metzger im Ort hold, der sowohl auf die Herkunft, als auch die Aufzucht und das Futter sehr genau achtete. Am Niederrhein gibt es einen Verbund, der sich verschiedenste Dinge zur Auflage gemacht hat, die sogar teilweise über die Anforderungen eines Bio-Zertifikates hinausgehen. Das hat natürlich seinen Preis.

Aber das ist genau der Punkt. Was erwarten die Menschen denn, wenn sie 1Kg Hähnchenschenkel für 1,50€ kaufen können? Ich würde da gar nichts erwarten. Vor allem geschmacklich und inhaltlich. Die Diskussion ist natürlich eine Gratwanderung. Von der einen Fraktion wird Fleisch generell abgelehnt und sollte am besten von der Speisekarte verschwinden, andere wiederum haben Angst, dass bei hohen Preisen einkommensschwache Menschen sich das nicht mehr leisten können.

Wir sollten nicht so tun, als wenn Menschen nie Fleisch gegessen hätten, aber auch nicht so, als wenn wir ohne regelmäßigen Fleischkonsum aussterben würden. Genauso empfinde ich (ganz persönlich ich) den Begriff “Fleischersatz” mehr als eine Kampfansage gegen meinen Vorstellung von leckerem Essen. Ich möchte keinen Fleischersatz. Ich möchte, wenn schon, Gemüse und dieses auch als solches erkennen. Es muss sich nicht wie Hack oder Steak anfühlen und auch so schmecken. Es ist eine andere Art der Ernährung. Das ist gut so.

Mir fehlt die Sensibilisierung der Menschen. In unserem Freundeskreis haben wir Familien, deren Monatseinkommen würde locker für “gutes” Fleisch reichen. Aber nein, es wird der Billigkram aus dem Discounter gekauft. Gründe gibt es da viele, keine die ich verstehe. Wenn ich schreibe, mir fehlt die Sensibilisierung der Menschen, dann meint das, dass noch nicht genügend über diese Dinge aufgeklärt wird. Klar, ich selber lese Bücher darüber, lese im Internet in den entsprechenden sozialen Medien dazu, ich informiere mich. Andere machen das nicht. Die setzen sich am Abend hin und gucken die Tagesschau, Tagesthemen oder andere Nachrichtensendungen. Für mich passiert da zu wenig, um über den Klimawandel, seine Folgen und, vor allen Dingen, seine Ursachen aufzuklären.

Es ist, wie schon geschrieben, ein schmaler Grat diese Diskussionen zu führen. Ich sehe wenig Verständnis dazu im Freundeskreis. Ja, einige wenige sehen das so wie wir, andere eben nicht. Solange es geht, werden sie versuchen einfach so weiterzumachen wie bisher. Im Grunde sind das alles für sich gesehen Automobilhersteller, die machen auch einfach weiter. Solange sich an den Vorgaben nichts ändert. Und das muss es. Für alle. Vielleicht muss sich das Angebot ändern, um die Nachfrage nachzuziehen.